Etiketten selbst gestalten – Fluch oder Segen?

Man findet sie in unzähligen Farben und Varianten, mit viel Liebe zum Detail gestaltet heben sie sich von der Masse hervor und verleihen eine individuelle Note und Wiedererkennungswert. Die Rede ist von selbst gestalteten Honigetiketten.

Doch dahinter steckt mehr Arbeit, als viele von euch auf den ersten Blick vielleicht vermuten würden. Für Etiketten gelten strenge Vorschriften, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Falls ihr plant eigene Etiketten zu designen oder vielleicht gerade mitten dabei seid, ist dieser Beitrag genau das richtige für euch. Ich werde euch die wichtigsten Vorschriften zusammenfassen und am Ende nochmal ein Übersichtsblatt einfügen – und dann könnt ihr auch schon loslegen!

Also, auf geht’s:


Was muss auf dem Etikett stehen?
Musteretikett Honig
Musteretikett Honig
  1. Bezeichnung des Lebensmittels, z.B. „Honig“
  2. Name und Anschrift des Imkers
  3. Nettofüllmenge
  4. Los (Charge)
  5. Mindesthaltbarkeitsdatum
  6. Lagerbedingungen
  7. Herkunft
1. Bezeichnung des Lebensmittels

Laut Honigverordnung lautet die Sachbezeichnung „Honig„, anstelle davon können aber auch Bezeichnungen wie Blütenhonig, Waldhonig oder Honigtauhonig verwendet werden. Außerdem kann die Sachbezeichnung durch zusätzliche Angaben ergänzt werden, die sich auf Folgendes beziehen:

  • Herkunft aus Blüten oder Pflanzenteilen (z.B. Sonnenblumenhonig)
  • Regionale, territoriale oder topographische Herkunft (z.B. Gebirgshonig)

Achtung, ein Honig darf nur als Sortenhonig (z.B. Sonnenblumenhonig) bezeichnet werden, wenn das von einem Labor bestätigt werden kann.

2. Name und Anschrift des Imkers

Die Angaben müssen eindeutig sein und die postalische Zustellbarkeit muss gewährleistet sein. Das heißt ihr müsst auch die Straße und Hausnummer angeben. E-mail Adressen und Webseiten können zusätzlich angegeben werden, reichen aber alleine nicht aus.

3. Nettofüllmenge

Angabe in „g“ oder „kg„. Außerdem gibt es hier eine Mindestschriftgröße, die ihr beachten müsst:

  • bis 50 g: Mindesthöhe 2 mm
  • 50 – 200 g: Mindesthöhe 3 mm
  • 200 – 1000 g: Mindesthöhe 4 mm
4. und 5. Charge und Mindesthaltbarkeitsdatum

Es gibt zwei korrekte Möglichkeiten der Angabe:

  1. mindestens haltbar bis:„. Angabe des Datum in Tag/Monat/Jahr. In diesem Fall könnt ihr die Charge angeben, müsst aber nicht.
  2. mindestens haltbar bis Ende„. Angabe des Datum in Monat/Jahr oder Jahr. In diesem Fall müsst ihr aber die Chargennummer angeben.

Falls ihr das Datum nicht direkt nach der Angabe schreiben könnt, muss ein Verweis erfolgen (z.B. mindestens haltbar bis: siehe Deckel).

6. Lagerbedingungen

Diese müsst ihr nur angeben, wenn es für die Einhaltung der Haltbarkeit wichtig ist. Bei Honig schreibt man üblicherweise „Vor Licht und Wärme geschützt lagern„. Die Angabe „kühl lagern“ soll nicht mehr verwendet werden, da das einer Lagertemperatur von 9 bis 18 °C entspricht, für diesen Temperaturbereich aber keine Kühleinrichtungen üblich sind.

Achtung! Die Angabe der Lagerbedinungen muss direkt nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum erfolgen (also unmittelbar nach der Formulierung „mindestens haltbar bis“)! Ihr dürft dazwischen keine Bildzeichen oder anderen Angaben einfügen.

7. Herkunft

Laut Honigverordnung müsst ihr das Ursprungsland bzw. -länder angeben. Die Angabe „Österreichischer“ bzw. „Österreichischer Honig“ wird üblicherweise toleriert.

Bei Ursprung in mehr als einem EU-Mitgliedstaat oder Drittland kann folgendes gewählt werden:

Mischung von Honig aus…

  • EU-Ländern
  • Nicht-EU-Ländern
  • EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern
Allgemeine Anforderungen

Die verpflichtenden Angaben sind auf dem Etikette in einer Schriftgröße mit einer x-Höhe von 1,2 mm so aufzudrucken, dass alles gut lesbar ist. x-Höhe bedeutet, dass Kleinbuchstaben wie das kleine x eine Mindesthöhe von 1,2 mm hoch sein müssen.

Sichtfeldregelung: Ihr müsst die Sachbezeichnung und die Nettofüllmenge im gleichen Sichtfeld angeben. Das heißt man darf das Glas nicht drehen müssen, um beides sofort lesen zu können.

Nährwertkennzeichnung: Seit 2016 ist man zu einer Angabe der Nährwertkennzeichnung verpflichtet. Reiner Honig ist davon ausgenommen. Sobald ihr dem Honig andere Lebensmittel zusetzt, müsst ihr die Nährwerte angeben.

Bio-Kennzeichnung: Bio-Produkte müssen folgende Kennzeichnungselemente aufweisen:

Bio Logo Beispiel
Bio Logo Beipsiel
  • die erteilte Codenummer der Kontrollbehörde oder Kontrollstelle
  • das Gemeinschaftslogo (Mindesthöhe 9 mm, Mindesbreite 13,5 mm).
  • der Ort der Erzeugung der landwirtschaftlichen Ausgangsstoffe, aus denen sich das Erzeugnis zusammensetzt

 

Was dürft ihr nicht draufschreiben?
  • Werbung mit Selbstverständlichkeiten (z.B. „nicht gefiltert„).
  • zur Täuschung geeignete Angaben über die Eigenschaften des Lebensmittels (z.B. „mit wertvollen Vitaminen„).
  • Krankheitsbezogene Angaben (z.B. „Honig hat Heilwirkung„).

 

Falls ihr Etiketten für Honig mit Zutaten erstellen wollt, gibt es noch zusätzliche Vorschriften, die diesen Rahmen aber sprengen würden. Ihr könnt euch gerne an mich wenden, wenn ihr Fragen dazu habt.

Wie ihr sehen könnt, ist es also nicht gerade einfach seine eigenen Etiketten zu gestalten. Meiner Meinung nach lohnt sich die Arbeit aber auf jeden Fall. Ihr könnt eurem Produkt dadurch Individualität und Wiedererkennungwert verleihen und euch von der breiten Masse abheben. Falls ihr euch unsicher seid, ob eure Etiketten alle Vorschriften erfüllen, wendet euch gerne an den Imkerhof. Wir bieten Etikettenberatungen an 😉

 

Also ran an die Stifte und los gelegt!

Beispiele Etiketten
Beispiele für Honigetiketten

 

Quelle: https://www.ages.at/themen/lebensmittelsicherheit/tierische-lebensmittel/honig/

Übersicht Musteretiketten (Ages): Honigetiketten Vorschriften

 

Autor: Julia Promok

Laborleitung Honiglabor, Leitung Media und Marketing Imkerhof Salzburg